Deine Kollegin kommt aus dem Meeting und lässt sich auf den Stuhl fallen: „Mein Projekt wurde umgeplant. Ein halbes Jahr Arbeit, einfach weg.“
Was sagst du jetzt?
„Ach, Kopf hoch! Dafür hast du jetzt wieder mehr Zeit. Wollen wir einen Kaffee holen?“
„Oh nein, du Arme. Das ist ja echt furchtbar für dich.“
„Puh. Das klingt richtig frustrierend. Magst du erzählen?“
Alle drei Sätze sind gut gemeint. Aber nur einer davon ist Empathie.
Zwei Reflexe, die nicht verbinden
Aufheitern ist oft unser erster Reflex. Wir wollen, dass es der anderen Person schnell wieder besser geht, und ehrlich gesagt auch uns selbst. Wir lenken ab, suchen das Positive und wechseln das Thema. Bei unserem Gegenüber kommt dann aber an: Für das, was mich gerade beschäftigt, ist hier kein Platz. Die Person fühlt sich nicht gesehen, weil wir gar nicht richtig hingeschaut haben.
Mitleid wirkt auf den ersten Blick zugewandter. Wir nehmen das Problem wahr und sprechen es aus. Und trotzdem bleiben wir auf Abstand. Wir schauen von außen und ein bisschen von oben auf die Situation: Du Arme, ich bin froh, dass es nicht mich getroffen hat. Die Person fühlt sich gesehen, aber nicht verstanden.
Zuhören, nicht reparieren
Empathie heißt, einer Person beizustehen. Du stellst dich nicht über sie und lenkst auch nicht von ihr ab. Du bist an ihrer Seite.
Das bedeutet vor allem drei Dinge:
Du hältst Gefühle aus. Auch Frust, Wut oder Traurigkeit, ohne sie sofort wegwischen zu wollen.
Du urteilst nicht. Ob du an ihrer Stelle genauso reagieren würdest, spielt gerade keine Rolle.
Du bietest keine Lösung an. Zumindest nicht ungefragt. Oft braucht es gar keinen Plan, sondern einfach jemanden, der oder die zuhört.
Das klingt nach wenig, ist aber manchmal ziemlich unbequem. Gerade im Arbeitskontext sind wir darauf trainiert, Probleme zu lösen, und nicht darauf, sie einfach mal stehen zu lassen. Doch genau in diesem Aushalten entsteht etwas Wertvolles: Nähe und Vertrauen. Und davon lebt jede gute Zusammenarbeit.
Übung macht empathisch
Die Annahme ist oft, dass manche Menschen einfach empathischer sind, als andere. Das stimmt nur zum Teil. Empathie ist keine feste Charaktereigenschaft, die man hat oder eben nicht. Empathie kann man lernen. Zum Beispiel, indem du beim nächsten Mal kurz innehältst, bevor das „Kopf hoch!“ rausrutscht, und stattdessen eine Frage stellst.
Empathie heißt also nicht, die Stimmung zu retten. Es heißt, dazubleiben, wenn es gerade unangenehm ist.