Ich finde man kann sehr treffende Parallelen zwischen der Kuh, der Bäuerin, den Beschäftigten und dem Arbeitgeber ziehen.
Man kann eine Kuh füttern und dann melken, eine Weile gibt sie bestimmt auch gut Milch. Aber wie steht’s nach einer gewissen Zeit um die Pflege? In der Tierwissenschaft ist das ganz gut erforscht, dazu zählen Liegekomfort, ein soziales Haltungssystem, Klauenpflege, Stallhygiene und eine regelmäßige ärztliche Versorgung. Das sorgt für eine optimale Milchgabe.
Zu Beginn einer Anstellung gibt es für Beschäftige Equipment, Arbeitsaufgaben und ein tolles Team. Getauscht werden Arbeitsergebnisse gegen Geld, aber der Tausch Loyalität und Engagement gegen Wertschätzung und Fairness funktioniert oft nicht. Die Zahlen sprechen für sich: Nur elf Prozent der Beschäftigten in Deutschland arbeiten laut Gallup wirklich engagiert, 74 Prozent machen Dienst nach Vorschrift. Dieser Anteil ist wohl dem miesen Tauschgeschäft geschuldet: Wer das Gefühl hat, zu wenig zurückzubekommen, gibt selbst auch weniger.
Und der Tausch funktioniert übrigens auch in die andere Richtung: Stimmt das Verhältnis zwischen Einsatz, Gehalt und Wertschätzung, nimmt Loyalität und Engagement wieder zu. Was gute Arbeit per se ausmacht, ist ebenso gut erforscht. Dazu zählen Autonomie (also eigene Entscheidungen treffen können), Kompetenz (etwas wirklich gut können), und soziale Eingebundenheit (echte Verbindung zu anderen).
Was wir also von „Kuh, gib Milch” mitnehmen können: Gute Arbeit entsteht da, wo der Mensch nicht zu kurz kommt. Wer mit Klarheit, Empathie und echtem Interesse in Mitarbeitende investiert, muss niemanden melken. Der Erlös kommt dann von ganz alleine, für alle.